Wo der Canyon liegt und wie Sie von Side hinkommen
Der Köprülü-Canyon-Nationalpark liegt im Hinterland der Küste zwischen Serik und Manavgat, dort, wo das Taurusgebirge unvermittelt hinter der Ebene ansteigt. Das türkische Kulturministerium gibt die Entfernung vom Zentrum Manavgats mit 63 Kilometern an: Sie verlassen die Küstenstraße D400 an der Abzweigung Taşağıl, und von dort führt die Straße rund 37 Kilometer nach Norden über Beşkonak ins Tal.
Von Side aus sind es damit ungefähr 60 bis 65 Kilometer – rechnen Sie mit etwa einer Stunde reiner Fahrzeit und etwas mehr, wenn die Abholrunde durch die Hotels dazukommt. Bei unseren Touren beginnt die Abholung ungefähr zwischen 08:00 und 08:30 Uhr; die genaue Zeit hängt von Ihrem Hotel ab und wird nach der Buchung persönlich bestätigt.
Der Köprüçay und die Schlucht, die er gegraben hat
Der Fluss heißt Köprüçay, in der Antike Eurymedon. Er entspringt im Taurus bei Sütçüler in der Provinz Isparta und erreicht das Mittelmeer im Bezirk Serik – vorbei an Aspendos, hinaus bei Boğazkent. Einen großen Teil seines Wassers bezieht er nicht aus Regen, sondern aus Karstquellen. Das erklärt die grünlich-blaue Farbe und den Umstand, dass er auch im trockenen Mittelmeersommer nicht versiegt.
Zwischen den Dörfern Bolasan und Beşkonak verengt sich das weite Tal zu einer 14 Kilometer langen Schlucht, einer der längsten der Türkei. Das Kulturministerium beschreibt Wände von mehr als 100 Metern; Geographen der Universität Ankara haben an einzelnen Stellen bis zu 400 Meter gemessen. Der Einschnitt liegt in Konglomerat und älterem Kalkstein, und dieser Kalk hat ringsum Karst entstehen lassen: Quellen, Höhlen, Karrenfelder. Der Park reicht von 150 bis auf 2.500 Meter Höhe; sein höchster Berg, der Bozburun, misst 2.505 Meter.
Die römischen Brücken
Der Park ist nicht nach dem Fluss benannt, sondern nach seinen Brücken – köprülü heißt „mit Brücke“. Die bekannteste ist die Oluk-Brücke (Oluk Köprü), etwa fünf Kilometer nördlich von Beşkonak. Sie entstand im 2. Jahrhundert n. Chr., als Selge seine Blütezeit erlebte, und überspannt den Fluss hoch über dem Wasser mit einem einzigen Bogen: rund 14 Meter lang, 3,5 Meter breit, etwa sieben Meter Spannweite, die Steine ohne Mörtel gefügt. Sie trug die Straße, die von der pamphylischen Küste ins pisidische Bergland hinaufstieg – und sie wird bis heute genutzt.
Die zweite, die Büğrüm-Brücke, überspannt den Nebenbach Kocaçay – ebenfalls römisch, ebenfalls ein einzelner Bogen. Den Verkehr übernimmt heute ein Neubau, die alte Brücke steht unter Schutz. Das Kulturministerium nennt beide Brücken zusammen mit der steingepflasterten antiken Straße nach Selge die eindrucksvollsten Zeugnisse der Gegend. Zum Vergleich: 42 Kilometer flussabwärts, bei Aspendos, überquert eine weitere Brücke auf römischen Fundamenten denselben Fluss.
Selge – die Stadt über der Schlucht
Hoch über dem Westufer, auf etwa tausend Metern, liegen die Reste von Selge, einer Bergstadt Pisidiens am Südhang des Taurus. Strabon berichtet von einer spartanischen Gründung und erwähnt eine ältere Zuschreibung an den Seher Kalchas; die Stadt geriet nacheinander unter lydische, persische, makedonische und römische Herrschaft und erreichte unter Rom ihre größte Ausdehnung – Strabon nennt 20.000 Einwohner.
Das am besten erhaltene Bauwerk ist das in den Fels gehauene Theater, im 3. Jahrhundert n. Chr. erneuert. Dazu kommen Agora, Stadion und Gymnasion, Reste der Tempel für Zeus und Artemis, Stadtmauer, Akropolis, Nekropole, Zisternen und Wasserleitungen. Das heutige Dorf Altınkaya – früher Zerk – steht mitten in den Ruinen, und in manchen Hausmauern stecken antike Blöcke. Selge liegt innerhalb des Nationalparks und ist vom Tal aus über eine Bergstraße zu erreichen; in der Antike stieg von der Oluk-Brücke eine bis zu zwei Meter breite, gepflasterte Straße zur Stadt hinauf.
Zypressen, Kiefern und was sonst noch wächst
Das botanische Aushängeschild des Parks ist ein naturbelassener Zypressenwald von rund 400 Hektar. Das Kulturministerium bezeichnet ihn als größten natürlichen Zypressenwald des gesamten Mittelmeerraums, das Landwirtschafts- und Forstministerium als den größten der Türkei; die Forstwissenschaft führt den Köprülü Canyon als wichtigstes natürliches Vorkommen der Mittelmeer-Zypresse (Cupressus sempervirens), stellenweise gemischt mit der Kalabrischen Kiefer (Pinus brutia).
An den Hängen dominieren Kalabrische Kiefer und Schwarzkiefer, dazu Traubeneichen; in den höheren Lagen stehen Libanon-Zeder, Kilikische Tanne und Wacholder. Zwischen 150 und 2.500 Metern verzeichnet das Ministerium 48 seltene oder gefährdete Pflanzenarten, 44 davon endemisch. Zur Tierwelt nennt dieselbe Quelle die Bezoarziege, den Türkenkleiber, den Gänsegeier und eine nur hier lebende Salamanderart; der Fluss selbst ist für seine Forellen bekannt.
Nationalpark seit 1973 – was der Schutz bedeutet
Am 12. Dezember 1973 wurde das Gebiet zum Nationalpark erklärt. Die aktuelle Liste der Generaldirektion für Naturschutz und Nationalparks (DKMP) führt ihn mit 47.473 Hektar – ältere Quellen nennen 36.614 –, verteilt auf die Provinzen Antalya und Isparta. Im Juli 2026 hat das Landwirtschafts- und Forstministerium dem Park eine eigene Direktion gegeben, die Schutz, Aufsicht und Besucherlenkung unter einem Dach bündeln soll.
Rechtsgrundlage ist das Nationalparkgesetz Nr. 2873. Sein Artikel 14 verbietet in Nationalparks, das natürliche und ökologische Gleichgewicht zu stören, Wildtiere zu schädigen, Boden, Wasser oder Luft zu verunreinigen, die Balance durch Jagd, Beweidung oder Holznutzung zu kippen und ohne genehmigten Plan zu bauen. Für Sie als Besucher heißt das schlicht: Was Sie mitbringen, nehmen Sie wieder mit, und Ruinen, Brücken und Wald bleiben so, wie Sie sie vorgefunden haben.
Die Rafting-Strecke – ein Ausschnitt des Parks
Unsere Touren fahren 12 Kilometer auf dem Köprüçay. Die Basis liegt im Tal selbst, mit Umkleiden, Duschen, Toiletten, Gepäckaufbewahrung und Restaurant am Ufer. Vor dem Start gibt es eine Einweisung und eine Übungsrunde; in jedem Boot sitzt ein zertifizierter Guide, Helm, Schwimmweste und Paddel werden gestellt. Ab Side kostet der Tag ab 18 € pro Erwachsenem, bezahlt wird am Tourtag.
Setzen Sie das ins Verhältnis: 12 Flusskilometer in einer 14 Kilometer langen Schlucht, in einem Park von mehr als 47.000 Hektar. Vom Boot aus sehen Sie die Wände, das Karstwasser und den Wald – aber weder Selge noch die Zypressenhänge in ihrer ganzen Ausdehnung. Und Wildwasser bleibt Wildwasser: Ausrüstung und Guides mindern das Risiko, sie beseitigen es nicht. Nichtschwimmer können mitfahren; wer schwanger ist, ein ernstes Herz- oder Atemwegsleiden hat oder frisch operiert wurde, bleibt am Ufer.
Wann sich der Tag lohnt
Die Südhänge des Taurus fangen die feuchte Luft vom Meer ab: Die Station Beşkonak misst im Jahresmittel rund 1.115 Millimeter Regen, mehr als Manavgat an der Küste, mit dem Maximum im Januar und dem Minimum im Juli. Der Sommer ist also trocken und heiß – und der Fluss fließt trotzdem, wegen der Quellen. Die Zeitung Sabah beziffert die Besucher auf durchschnittlich 600.000 im Jahr, mit dem Ansturm im Juli und August.
Wer mehr will als den Blick vom Boot, plant Zeit ein: für die Oluk-Brücke, für die Bergstraße nach Selge, für einen Gang in den Zypressenwald. Neben Rafting nennt das Kulturministerium Kanu, Wandern, Klettern, Radfahren, Angeln und Naturbeobachtung als Aktivitäten im Park. Ein Rafting-Tag ab Side dauert von der Abholung am Morgen bis zur Rückkehr am späten Nachmittag – die Rückkehrzeit schwankt je nach Gruppe, Programm und Verkehr, ungefähr zwischen 16:30 und 18:30 Uhr.
Verantwortungsvoll besuchen
- Sie bewegen sich in einem Nationalpark nach Gesetz Nr. 2873 – nicht in einem Freizeitpark.
- Alles, was Sie mitbringen, nehmen Sie wieder mit – auch Zigarettenkippen und Flaschendeckel.
- Kein Feuer außerhalb der dafür vorgesehenen Stellen; der Wald ist im Sommer staubtrocken.
- Ruinen, Brücken und Bäume bleiben, wie sie sind: nichts abbrechen, nichts einritzen, nichts einstecken.
- Der Fluss ist Lebensraum, keine Badewanne: keine Seife, kein Shampoo im Wasser.
- Auf dem Wasser gilt das Wort des Guides – Helm und Weste bleiben an, bis der Guide das Zeichen gibt.